Steuler baut Erlebnisbad im Europa-Park mit

Was die neue Wasser-Erlebniswelt „Rulantica" im Europa-Park in Rust mit dem Westerwälder Familienunternehmen Steuler in Höhr-Grenzhausen zu tun hat? Eine ganze Menge. Was Badbesucher aus der Region nicht wissen: Der Mittelständler, genauer die STEULER-KCH Schwimmbadbau mit Sitz in Siershahn, hat beim Bau der gigantischen Wasserwelt die Becken im Innen- und Außenbereich mitgestaltet und damit einen weiteren Prestigeauftrag mit einem Volumen von rund 1 Million Euro erhalten. Das war ein ziemlich herausforderndes Projekt. Es war für uns sehr interessant, das kreative Denken und Arbeiten von Freizeitpark-Betreibern mitzubekommen", betont Joachim Ostrowski, Prokurist von STEULER-KCH (Pool-Linings). „Die Zusammenarbeit war äußerst fair", ist der Diplom-Ingenieur nach dem erfolgreichen Abschluss des Projektes zufrieden.

Das rund 250 Millionen Euro teure Bauprojekt hat gigantische Ausmaße: Die Erlebniswelt Rulantica ist mit dem dazugehörigen Hotelkomplex seit der Gründung des Europa-Parks Rust im Jahr 1975 das größte Investitionsvorhaben der Inhaber- und Unternehmerfamilie der Brüder Roland und Jürgen Mack – in Baden-Württemberg ist sie sogar eine der größten Einzelinvestitionen eines privaten Bauherren. Die Wasserwelt steht auf einer Fläche von umgerechnet etwa 63 Fußballfeldern. Herzstück ist eine 20 Meter hohe, muschelförrnige Badehalle mit rund 12.000 Quadratmetern Nutzfläche, davon rund 3000 Quadratmeter Wasserfläche. Das Bad umfasst neun verschieden gestaltete Erlebnisbereiche und verfügt über 25-Wasser-Attraktionen, darunter 17 Rutschen, sowie ein Wellenbad. Der 8.000 Quadratmeter große Outdoorbereich zeichnet sich durch den spektakulären „Wild River" aus, bei dem die Westerwälder Schwimmbadbauer maßgeblich die Finger im Spiel hatten.

Ein Blick auf die imposante Wasser-Erlebniswelt „Rulantica" im Europa-Park in Rust. Beim Bau des Millionenprojekts hatte das Höhr-Grenzhausener Familienunternehmen Steuler ganz wesentlich die Finger mit im Spiel.

Bei dem Rulantica-Projekt in Rust haben die Spezialisten aus dem Westerwald zum einen in sämtlichen Schwimmbecken im Innenbereich die technisch schwierige Anbindung zur speziellen, aus den USA stammenden Beschichtung namens „Pebble Tec" hergestellt. Auch der Beschichtungsbelag um die Pools herum ist wie auf Kreuzfahrtschiffen sicher begehbar und kratzfest. „Zwischen diesen Schichten und dem inneren Betonkorpus wurde von Steuler eine spezielle Gummifolie eingebaut, die wie eine Klammer wirkt", erklärt Ostrowski. Neben der Beschichtung der Innenbecken war die Steuler-Tochter auch für den Bau der Überlaufrinnen zuständig. Allein dieser Auftrag hatte ein Volumen von gut 500.000 Euro.

Darüber hinaus haben die Steuler-Spezialisten den rund 200 Meter langen Wildbach „Wild River" im Außenbecken verkleidet. „Die Rutsche besteht aus 20 großen Betonelementen. Das Wasser in der Bahn weist ein ganz unterschiedliches Strömungsverhalten sowie unterschiedliche Geschwindigkeiten auf", erläutert Ostrowski. Dabei war der Anspruch des Bauherrn an die rund 1.500 Quadratmeter große, beschichtete Fläche enorm: Die Verkleidung sollte abriebfest, chlorwasserbeständig, UV-beständig und absolut glatt sein. Steuler beschichtete das Becken zuerst mit einem glasfaserverstärkten Kunststoff. Darauf wurde dann in einem Spritzverfahren eine selbst entwickelte, nur ein Millimeter dünne Deckschicht aufgetragen, die „extrem abriebfest" ist, wie Ostrowski stolz erklärt. Die Entwicklung im Labor in Siershahn habe rund drei Monate gedauert. Dieser Auftrag sorgte für weitere 500.000 Euro Steuler-Umsatz. Dabei hat das Produkt nicht nur den Bauherrn, die Familie Mack, überzeugt. „Wir haben auch bereits Folgeprojekte für Freizeitbad-Vorhaben in der Tschechei, in Norwegen und in Deutschland in der laufenden Akquisition", ist der Steuler-Manager höchst zufrieden. Wie Steuler an den Renommierauftrag im Europa-Park in Rust kam? Es waren in erster Linie die guten Kontakte in der Branche. Während ein US-amerikanisches Architektenbüro, das auch für die Disney-Parks arbeitet, gemeinsam mit der Bauherrenfamilie Mack mit einem Team aus Architekten, Fachingenieuren, Statikern, Designern und Visualisierern den Masterplan für die Wasserwelt bis ins kleinste Detail entwickelt hat, war das Osnabrücker Planungsbüro „pbr" ein langjähriger Kunde von Steuler, für die Umsetzung verantwortlich. Das Büro sollte der amerikanischen Entwurfsidee eine bauliche Hülle geben und zugleich Foyer, Umkleiden wie auch die Gastronomiebereiche entwerfen. Wichtig auch: Die Experten mussten dafür sorgen, dass alle Bauteile der Wasserwelt den strengen deutschen Vorgaben und Normen entsprechen. Und genau hier waren die Westerwälder Schwimmbadbauer von Steuler ein zuverlässiger Partner. „Wir kennen das Planungsbüro seit Jahren und arbeiten im Schwimmbadbereich gut zusammen", bekräftigt Ostrowski. Die Planungsphase für das Millionenprojekt lief bereits 2015 an, im Mai 2019 wurde es dann ernst. Dann waren rund 30 Steuler-Mitarbeiter vor Ort in Rust, um die Becken und den Wild River auszukleiden. Im September waren die Experten fertig – seit dem 28. November ist der Wasserpark Rulantica eröffnet und lockt täglich rund 4.500 Besucher an. „Das war ein tolles Projekt, ein echtes Sahnestück", sagt der Westerwälder Ostrowski rückblickend. Und vor allem: „Das neue Steuler-Beschichtungsmaterial ist eine weitere Säule unserer Produktpalette, auf die wir aufbauen können", zieht der Chef von STEULER-KCH Schwimmbadbau zufrieden Bilanz.

Von Rhein-Zeitungs-Redakteurin Stephanie Kühr
Bildautor: Markus Garscher/ Europa-Park Rust

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